Station 6:

Klimawandel und Landwirtschaft

Klimaschutz schmeckt lecker:

 

Die Burger-Rezepte zu Station 6 findest Du auf der Unterseite Materialien – Rezepte.

 

In den folgenden Texten findest Du tiefergehende Infos zu verschiedenen Themenkomplexen, die Umweltschutz und Landwirtschaft betreffen.


Themenkomplex Grünland

Grünlandpflege und Klimaschutz

 

Artenreiches und extensiv bewirtschaftetes Grünland spielt für die Biodiversität in der Agrarlandschaft eine unersetzliche Rolle und dient darüber hinaus dem Schutz von Boden und Bodenfruchtbarkeit sowie dem Klima- und Grundwasserschutz.

 

Eine Gefährdung besteht in

  • der Nutzungsintensivierung
  • dem Umbruch in Ackerland
  • der Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung mit nachfolgender Verbuschung

 

Die Gründe hierfür sind 

  • ein Rückgang der Tierhaltung, dadurch wird Grünland für alternative Nutzungen frei
  • die abnehmende Bedeutung für die Futterbereitstellung; Hochleistungskühe fressen vorwiegend Maissilage und Kraftfutter
  • die hohe staatliche Förderung der Energieerzeugung aus Biomasse (insb. Maisanbau)

Die Auswirkungen sind 

  • Verlust von Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten (gilt für alle drei Gefährdungsursachen)
  • massiver Mineralisierungsschub durch den Abbau der organischen Substanz und verstärkte Emmission von Treibhausgasen sowie löslichen Stickstoffverbindungen (Grünlandumbruch)
  • Freiwerden großer Kohlenstoffmengen bei Umbruch von Moorböden (natürliche Kohlenstoffspeicher)

 


Auswirkungen des Biogasanlagen-Booms

Die Maisanbaufläche ist seit 2002 bundesweit stark und kontinuierlich von rund 1,5 Mio. ha auf rund 2,5 Mio. ha in 2012 gestiegen, wo sich der Wert eingependelt hat (2.527.900 ha in 2017). Dabei nimmt der Anteil von Körnermais- und CCM-Anbau für die Futternutzung bundesweit ab und die Silomaisfläche zu. Das Korn-Spindel-Gemisch (Corn-Cob-Mix - CCM) enthält Maiskörner und etwa 30 - 80 % der Maisspindel. Niedersachsen und Bayern sind die Länder mit der größten Maisanbaufläche. Rheinland-Pfalz lag im Ländervergleich 2017 an achter Stelle. In 2007 machte im Landkreis Altenkirchen die Maisanbaufläche an der Gesamtackerfläche einen Anteil von 15-30 % aus.

 

Der Biogasanlagen-Boom wirkt sich neben der erheblichen Zunahme der Maisanbaufläche auch auf das nicht umgebrochene Grünland aus. Für Biogasanlagen wird energiereiches Intensivgrünland bevorzugt, entsprechend wird vormals extensiv genutztes Grünland häufiger und früher geschnitten und stärker gedüngt. In Folge verschwinden die an extensive Flächen angepassten Pflanzen- und Tierarten.

 

Bedeutung und Schutz von Grünland

Die Bedeutung des Dauergrünlands für Klima, Boden, Wasser und Biodiversität sowie als Kulturlandschaft und für eine artgerechte Tierhaltung wurde im Zuge der GAP-Reform 2014-2020 herausgestellt. Erweiterte Schutzmaßnahmen wurden eingeführt: Seit 2015 besteht eine allgemeine Genehmigungspflicht für den Umbruch von Dauergrünland und in FFH-Gebieten ein generelles Umwandlungs- und Pflugverbot. 

Die dauerhafte Grünlanderhaltung ist neben dem ordnungsrechtlichen Schutz nur durch eine kontinuierliche, standortangepasste und wirtschaftliche Nutzung oder Pflege gewährleistet. Die Herausforderung liegt darin, die Nutzung des Grünlands zur Futtererzeugung sowie alternative standortspezifische Nutzungsformen zu fördern. Hierzu bedarf es einer Trendwende in der hochleistungsorientierten Milch- und Fleischerzeugung. 

 

notwendige Maßnahmen:

  • Stärkung der Grundfutterverwertung von Grünlanderhaltung
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für Landschaftspflegebetriebe
  • Etablierung alternativer Nutzungsformen z.B. Nutzung für Biogasproduktion, stoffliche Nutzung zur Herstellung biotechnologischer Produkte als Grund- und Feinchemikalien, Verwendung als Dämmstoff oder Bestandteil von Verpackungsmaterial, als Lebensmittel oder Wellnessprodukt

 


Themenkomplex Landwirtschaft in RLP

Landwirtschaft in RLP / Neue Wege

In Rheinland-Pfalz dominieren noch kleinräumige Strukturen, es existiert im bundesweiten Vergleich eine Vielzahl kleiner Betriebe. Die Gründe hierfür liegen in der geografischen Lage und Struktur des Bundeslandes, sind aber auch historisch bedingt (Realteilung beim Erbrecht). Landwirtschaftlich dominiert der Wein-, Obst- und Gemüseanbau (46,8 %) insb. in Mitte und Süden des Landes (Daten aus 2012). Tierische Erzeugnisse machen am Gesamtproduktionswert nur 6,3 % aus, da die Herstellung tierischer Erzeugnisse in RLP mit höherem Aufwand verbunden ist. Die Kleinräumigkeit der Landschaft und Entfernung zu Importfutterhäfen stehen einer intensiven Erzeugung im industriellen Maßstab entgegen. Doch trotz Fördermaßnahmen sind kleine bäuerliche Betriebe insb. mit tierischen Erzeugnissen zunehmend in ihrer Existenz bedroht. 

Eine Möglichkeit das Sterben kleiner Höfe zu verhindern, ist es das Wirtschaftsprinzip umzustellen. Die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) bietet hierzu eine Möglichkeit.

Sie ist eine Form der Vertragslandwirtschaft, bei der eine Gruppe von Verbraucher*innen auf lokaler Ebene mit einem oder mehreren Partner-Landwirt*innen kooperiert.

Ziele von SoLaWi sind der Erhalt einer bäuerlichen, vielfältigen Landwirtschaft die gesunde, frische Nahrungsmittel erzeugt und die Natur- und Kulturlandschaft pflegt.

Kennzeichen sind 

  • das Teilen von Verantwortung, Risiko, Kosten und Ernte
  • ein durchschaubarer Wirtschaftskreislauf
  • die Abkoppelung von Subventionen, Markt- und Weltmarktpreisen
  • ein regionales Wirtschaften
  • die Vorfinanzierung und Abnahmegarantie

Und so funktioniert's:

Der Zusammenschluss aus Landwirt*innen oder gärtnerischen Betrieben mit einer Gruppe privater Haushalte bildet eine Wirtschaftsgemeinschaft. Die geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung werden für die Ermittlung und Festsetzung der von allen im voraus zu zahlenden (meist monatlichen) Beiträge an den Hof herangezogen. Hierdurch wird für den Betrieb ein marktunabhängiges, eigenverantwortliches und nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht. Die Abnehmenden erhalten im Gegenzug die komplette Ernte sowie auf dem Hof weiter verarbeitete Produkte wie Brot, Käse, etc. 

Der persönlich Bezug der Mitglieder macht die gegenseitige Verantwortung bewusst. In 2018 gab es bundesweit mindestens 186 SoLaWi-Betriebe. Der nächstgelegene befindet sich bei Neuwied in Stopperich.

Weitere Informationen finden sich unter https//www.solidarische-landwirtschaft.org 

 


Themenkomplex EU-Agrarpolitik

EU-Agrarpolitik

Die gemeinsame Agrarpolitik der EU(GAP) hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Menschen im ländlichen Raum, auf die Beschaffenheit unserer Landschaften vom Mittelmeer bis zum Polarkreis, aber auch auf die Vielfalt von Tieren und Pflanzen, auf die Qualität von Wasser, Böden und Luft sowie auf das Klima. Für die ganze Gesellschaft ist die GAP damit von hoher Bedeutung. Wir alle sind von intakten Ökosystemen und gesund und nachhaltig produzierten Lebensmitteln abhängig. Jedes Jahr fließen etwa 40 % des EU-Haushalts, das entspricht etwa 60 Milliarden Euro, in die EU-Agrarförderung. Im Durchschnitt bezahlt jede Bürgerin und jeder Bürger der EU derzeit über die Steuern jährlich 112 Euro für die EU-Agrarpolitik (Stand 2016). Die EU und Deutschland haben sich über die globalen Nachhaltigkeitsziele zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bis 2030 verpflichtet. Das bedeutet, dass durch die europäische Landwirtschaft keine Schäden mehr an Artenvielfalt und Klima entstehen dürfen. Wenn dieses gelingen soll muss die derzeitige EU-Subventionspolitik für Landwirte radikal umgebaut werden.

 

"Fünf vor Zwölf" - Forderungen des NABU für eine faire, gesunde und naturverträgliche Agrarpolitik in Europa

  • Abschaffung der pauschalen Direktzahlungen pro Fläche (1. Säule der GAP) stattdessen einkommenswirksame Honorierung von konkreten ökologischen Leistungen von Landnutzern für die biologische Vielfalt
  • Aufbau einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion, die hohen Umwelt- und Tierschutzstandard genügt und dank fairer Preise Landwirte langfristig unabhängig von Subventionen macht.
  • Ausreichende Finanzierung der EU-Naturschutzinstrumente wie Natura 2000.
  • Die gleichberechtigte Mitsprache aller politischen Ressorts und Akteure , die ein Interesse an einem lebendigen ländlichen Raum, einer intakten Umwelt, gesunden Lebensmitteln und Entwicklungschancen für Menschen außerhalb Europas haben.

 

Die Forderungen des NABU für eine naturverträgliche Landwirtschaft auf einen Blick (2017)


Themenkomplex Ökologische Landwirtschaft

Ökologische Landwirtschaft

Durchblick im Label-Dschungel

 

Neben dem EU- Biosiegel das allgemein gültige Mindestanforderungen an die Wirtschaftsweise formuliert bestehen weitere Anbauverbände mit eigenen Labeln, die in ihren Vorgaben weit über diesen Standard hinausgehen. Die weitestgehenden Anforderungen an die Erzeugung werden bei Demeter gestellt.

 

Es sind dies:

 

Demeter - biologisch-dynamische Landwirtschaft:

1924 von R. Steiner begründet und vom Gedankengut der Anthroposophie geprägt. Berücksichtigt den Einfluss des Kosmos auf die Lebensvorgänge (Mondphasen und -stellung, Sonnenbahn). Die Herstellung und Anwendung sogenannter Präparate ist wesentlich. Die Erzeugnisse sind am Label erkennbar.

Bioland - organisch-biologische Landwirtschaft:

Vom Schweizer H. Müller und Deutschen H.P. Rusch 1951 entwickelt. Die Pflege des Bodens und der langfristigen Fruchtbarkeit stehen im Vordergrund. Felder werden nicht gepflügt sondern nur gelockert. Produkte tragen das Label.

Naturland:

Eigene Richtlinien decken neben der ökologischen Erzeugung auch die ökologische Waldnutzung und die Textil- und Kosmetikaherstellung ab, aber auch soziale Aspekte in den Betrieben über die Sozialrichtlinien. Erzeugnisse sind am Label erkennbar.

 


Weitergehende, vergleichende Informationen zu den Besonderheiten der einzelnen Verbände und den Anforderungen an EU-Bio finden sich hier:

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL); www.bmel.de; Stichwort: EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau
  • www.naturland.de; Stichwort: Richtlinienvergleich-Broschüre
  • www.demeter.de; Stichwort: Unterschied von Bio zu Demeter 
  • www.bioland.de; Stichwort: Richtlinien

 

Begriffsklärung/Vergleich 

intensive - extensive - ökologische Landwirtschaft

Es existieren keine klaren Begriffsbestimmungen. Die verschiedenen Formen lassen sich wie folgt charakterisieren bzw. voneinander abgrenzen.

 

Intensive Landwirtschaft: 

Moderne Landwirtschaft mit dem Ziel, einen möglichst hohen Ertrag pro Flächeneinheit und/oder Tier zu erreichen. Sie ist vor allem durch die Anwendung hochentwickelter, anspruchsvoller Agrartechnik gekennzeichnet.

 

Merkmale:

  • Hohe jährlichen Produktionskosten 
  • direkte Energie (Arbeitskraft, fossile Brennstoffe, Elektrizität)
  • indirekte Energie (Dünger, Wasser, Saatgut, Biozide und andere chem. Erzeugnisse)
  • + Anlagekapital (Maschinen, Gebäude,Tierbestand)        

(Quelle: spektrum.de Spektrum der Geografie Stichwort: Landwirtschaft)

 

Umweltauswirkungen:

  • intensive Bodenbearbeitung mit schweren Maschinen
  • Bodenverdichtung und Bodenunfruchtbarkeit
  • Wasser- und Winderosion (anthropogene Bodenerosion)
  • intensive Stickstoffdüngung (organisch + mineralisch)
  • Treibhausgase
  • Nitratbelastung im Trinkwasser
  • Eutrophierung von Gewässern
  • Anbau in Monokulturen und Biozidanwendung
  • Artensterben, Biodiversitätsverlust 
  • Lebensraumverlust                                     

(Quelle: umweltbundesamt.de Stichwort: Landwirtschaft)

 

(Am Ende der Nahrungskette steht der Mensch!)

Extensive Landwirtschaft:

Es handelt sich um einen relativen Begriff, der im jeweiligen zeitlichen und geographischen Kontext zu sehen ist. Traditionelle Landwirtschaftsform, die auch noch im 21. Jh. 40 % der Weltbevölkerung ernährt und meistens auf moderne Technik und die massive (mineralische) Düngung verzichtet. Der Ertrag pro Flächeneinheit ist gering, eine Ertragssteigerung nur durch Neuerschließung von mehr Boden möglich.

 

Merkmale extensiver Landnutzung in Mitteleuropa sind:

  • kleinere Flächengrößen, unregelmäßige Formen bzw. lange Grenzlinien; häufig unberührt von Flurbereinigungsverfahren
  • niedriger Arbeitseinsatz/Fläche; nur kleinräumige und unregelmäßige Eingriffe; niedriger Viehbesatz bei Beweidung und seltene Mahd bei Wiesen (oft nur 1 Mahd/Jahr)
  • Verzicht auf kulturtechnische Eingriffe wie Be-, Entwässerung, Drainierung, Eindeichung von Überschwemmungsgebieten, Flussbegradigungen, Geländenivellierungen
  • kapitalintensive Produktionsmittel (große Maschuinen, Dünger,Pestizide) kommen nicht bzw. nur geringfügig zum Einsatz  

 

Umweltauswirkungen:

  • Schutz der Kompartimente Boden, Luft, Wasser
  • Verringerung Bodenerosion und -verdichtung
  • Reinhaltung des Grundwassers von Nitraten
  • keine Gewässereutrophierung
  • Sicherung von Artengemeinschaften, die auf strukturreiches Kulturland angewiesen sind
  • hohe Biodiversität
  • intakte Ökosysteme und Nahrungsketten

Ökologische Landwirtschaft:

Bezeichnung für mehrere Wirtschaftsweisen, bei denen das Wirtschaften im Einklang mit der Natur, die Nachhaltigkeit und die Förderung der Vielfalt von Pflanzen- und Tierwelt im Vordergrund stehen. Selbstverpflichtung zu Boden-, Gewässer-, Arten- und Tierschutz.

 

Ziele und Merkmale:

  • geschlossener betrieblicher Nährstoffkreislauf (Futter und Nährstoffe aus eigenem Betrieb)
  • Pflanzenschutz durch geeignete Fruchtfolgen und Einsatz von Nützlingen; Verbot von chemisch-synthetischen Mitteln
  • mechanische Unkrautbekämpfung
  • Verzicht auf leicht lösliche mineralische Dünger statt dessen Verwendung langsam wirkender Düngemittel (z.B. Gesteinsmehle); Stickstoffdüngung nur in organisch gebundener Form (Mist) oder durch Gründüngung
  • Erhalt der Bodenfruchtbarkeit durch Humuswirtschaft
  • Tierhaltung: keine Verwendung chemisch-synthetischer Wachstumsmittel und Hormone; artgemäße Haltung; Begrenzung des Viehbesatzes durch Flächenbindung; Fütterung mit möglichst hofeigenem Futter; Antibiotikaeinsatz nur bei zwingender Notwendigkeit

 

Umweltauswirkungen:

wie bei der extensiven Landwirtschaft


Daten und Fakten zum ökologischen Landbau in Deutschland

Jahr Fläche Anteil an Gesamtfläche Zahl der Betriebe Anteil der Betriebe
1996 354.171 ha 2,1 % 7.353 1,3 %
2016 1.251.320 ha 7,5 %  27.132 9,9 %

Im Einkommensvergleich schneiden ökologisch wirtschaftende Betriebe mit einem Plus von durchschnittlich 38 % (10.800 €) deutlich besser ab als konventionell wirtschaftende (2016/2017).

(Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL; https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft) 

 


Themenkomplex Massentierhaltung

Fleischatlas 2018 - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

https://www.bund.net/fileadmin/user.../massentierhaltung_fleischatlas_2018.pdf

Ein Gemeinschaftsprojekt von NABU Altenkirchen und Evangelische Landjugendakademie

Die Website wurde gefördert von: 


Weitere finanzielle Unterstüzung durch:

 

Der Tourguide wurde gefördert von der Stiftung Natur und Umwelt aus Mitteln der Glücksspirale: